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SELBSTÄNDIG DRUCKEN IM ATELIER?

WIE GEHT DAS?

Meine 5 WIEs?
Selbständigkeit braucht gut durchdachte Vorbereitung.

Drucken ist eine Technik, bei der sich für mich besonders deutlich zeigt, wie eng Vorbereitung und Selbstständigkeit miteinander verbunden sind. Wenn Materialien und Abläufe gut durchdacht sind, entsteht im eigentlichen Tun eine bemerkenswerte Ruhe. Die Kinder können sich ihre Materialien selbst nehmen, eigene Entscheidungen treffen und so lange experimentieren, wie sie möchten. Das Drucken spricht dabei auch Kinder an, die im Alltag weniger Freude an Malangeboten zeigen. Vielleicht liegt es daran, dass eine Zeichnung hier nicht unbedingt erhalten bleiben muss. Sie darf überwalzt, verändert und wieder neu gestaltet werden. Der Blick richtet sich dadurch automatisch stärker auf den Prozess als auf ein möglichst gelungenes Endprodukt. Und dann gibt es diesen besonderen Moment beim Drucken: Das Papier wird auf die Farbplatte gelegt, angedrückt und anschließend wieder abgezogen. Was wird zu sehen sein?

Drucken ist ein intensiver Prozess.

Beim Drucken entstehen bei uns häufig ganze Serien. Zehn, fünfzehn oder zwanzig Drucke sind dabei keine Seltenheit. Wenn ein Kind eine Technik gerade für sich entdeckt hat, möchte ich ihm die Möglichkeit geben, im Prozess zu verweilen. Der erste Druck ist vielleicht noch ein Versuch. Beim zweiten wird etwas verändert. Beim dritten wird eine andere Farbe ausprobiert. Irgendwann entsteht vielleicht eine ganz neue Idee. Gerade durch die Wiederholung können Kinder ihre Technik verfeinern und eigene Entscheidungen treffen. Dabei wird auch deutlich, dass ein kreativer Prozess nicht zwingend auf ein einzelnes fertiges Werkstück hinauslaufen muss. Eine Serie kann selbst Ausdruck eines Prozesses sein. Und manchmal erzählt gerade die Abfolge der Drucke viel mehr über das Denken eines Kindes als ein einzelnes „schönes“ Bild.

... die Kinder einfach handhaben können

Für das Drucken verwende ich Acrylplatten, die von den Kindern gut gehandhabt werden können. Meine Platten sind etwas kleiner als A4 und haben abgerundete Ecken. Diese kleine Veränderung hat sich im Alltag als sehr praktisch erwiesen: Beim Abdrucken reißen die Ecken des Papiers weniger leicht ein.

... zum selbstständigen Bedienen

Für das Drucken stehen kleine, handliche Farbfläschchen bereit. Beim Drucken benötigen sie etwas mehr Farbe: zwetschgengroße Portionen haben sich bewährt. Die Farbe auf die Acrylplatte aufgewalzt. Anschließend können die Kinder mit Wattestäbchen ihre gewünschten Motive zeichnen.

... um dazwischen die Schilder nicht reinigen zu müssen

Wir arbeiten gerne mit Farbfamilien. Bei uns stehen Gelb, Pink und Orange sowie Grün, Blau und Türkis zusammen. So müssen die Druckplatten zwischen den einzelnen Bildern nicht jedes Mal gereinigt werden. Wenn ein wenig Restfarbe auf der Platte bleibt entstehen oft reizvolle Farbverläufe.

... die selbständiges Abdrucken der Farbe ermöglichen

Ich verwende für diese Technik gerne kleinere Papierformate, die von den Kindern zuvor mit ihren Namen versehen werden. Zum Drucken eignet sich ein leicht strukturiertes Papier mit einem Gewicht von mindestens 250 g/m². Das Papier bleibt dadurch stabil und lässt sich gut auf der Farbplatte positionieren.

... zum uneingeschränkten Experimentieren

Beim Drucken ist ausreichend Platz zum Trocknen besonders wichtig. Denn wenn Kinder wirklich frei experimentieren dürfen, entstehen schnell viele Drucke. Unsere Drucke haben dabei einen weiteren Vorteil: Sie trocknen sehr schnell und tropfen nicht. Deshalb können sie ebenso gut hängend trocknen.

HILFREICHE FRAGEN

Diese Fragen richten den Blick darauf, wie wir Kinder begleiten, wenn ein kreativer Prozess anders verläuft als erwartet. Sie laden dazu ein, Ergebnisse nicht vorschnell zu bewerten oder zu korrigieren, sondern Kindern Raum für eigene Erfahrungen und Lösungen zu geben.
  • Wie kann ich „unerwünschte“ Ergebnisse als wertvolle Erfahrung stehen lassen, ohne sie sofort verbessern zu wollen?
  • Wann braucht ein Kind tatsächlich meine Unterstützung – und wann darf ich darauf vertrauen, dass es selbst einen nächsten Versuch wagt?
  • Wie kann ich durch meine Begleitung den Blick vom perfekten Ergebnis auf den eigenen Lern- und Experimentierprozess lenken?
  • Wie kann ich Kindern zutrauen, dass sie aus ihren eigenen Erfahrungen die nächsten Schritte entwickeln?
  • Wie viel Raum gebe ich Kindern, eigene Lösungen für ein Problem zu finden?
„Selbstständigkeit und Kreativität beginnen mit einem Rahmen, der trägt, und wächst mit dem Vertrauen, eigene Wege gehen zu dürfen.“

EINE HÄUFIG GESTELLTE

FRAGE:

"Worauf drucken die Kinder?" 
Bei Herstellern von Acrylplatten lassen sich die Platten häufig nach Wunschmaß zuschneiden. Ich habe meine Platten etwas kleiner als A4 und mit abgerundeten Ecken anfertigen lassen. Sie haben einen praktischen Vorteil: Beim Abdrucken reißt das Papier an den Ecken weniger leicht ein. Wenn auf A4-Papier gedruckt wird, bleibt rund um den Abdruck ein schmaler weißer Rand. Ich mag diesen kleinen Rand sehr, weil er dem Druck eine schöne, dekorative Wirkung gibt und gleichzeitig praktisch ist, wenn die Bilder anschließend getrocknet, transportiert oder aufgehängt werden.

WÄSCHESTÄNDER ALS TROCKENPLATZ

Manchmal ist Experimentierfreude größer als ein Trockenständer. Für solche Situationen verwende ich deshalb gerne gewöhnliche Wäscheständer. Die Drucke können mit Klammern daran aufgehängt werden und haben dadurch schnell einen zusätzlichen Platz zum Trocknen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Vorbereitung beim Drucken: genügend Platz für das, was entstehen möchte.