KREATIVE KINDSKÖPFE
KINDER GESTALTEN SPIELIDEEN
Was passiert, wenn Kinder nicht nur spielen, sondern selbst Spielideen gestalten? Hier zeige ich Spiele, die aus solchen gemeinsamen Denk- und Gestaltungsprozessen entstanden sind – offen für Veränderung, neue Regeln und immer neue Ideen.
FEHLERSUCHE
WIE wird aus einer Zeichnung ein Spiel?
Aus einer Kinderzeichnung entsteht zunächst ein zweites, beinahe identisches Bild, eine Kopie. Dieses wird an einigen Stellen durch gezeichnete Details ergänzt. Anschließend liegen beide Versionen nebeneinander und laden dazu ein, genau hinzusehen und die Abweichungen zu entdecken. Gerne lege ich sie dazu in Magnetbilderrahmen. Zum Markieren der gefundenen Unterschiede verwenden die Kinder Magnetchips. Die Bilder bleiben dadurch unversehrt und können immer wieder neu bespielt werden. Und natürlich können jederzeit neue Fehlersuchbilder dazukommen.
Was passiert, wenn Kinder Aufgaben selbst erfinden?
Ausgangspunkt war eine einfache Beobachtung: Die Kinder hatten große Freude daran, Fehlersuchbilder zu lösen. Daraus entstand eine neue Frage: Warum eigentlich nur lösen – warum nicht selbst welche erfinden? Damit verändert sich auch die Rolle der Kinder. Sie bearbeiten nicht nur eine vorgegebene Aufgabe. Sie überlegen selbst:
- Was könnte ich verändern?
- Was soll leicht zu finden sein?
- Wie viele Unterschiede soll es geben?
Für mich steckt genau darin ein spannender Gedanke: Kinder können nicht nur Nutzer:innen von Spielen sein. Sie können Spiele mitdenken, verändern und selbst gestalten.
MINITHEATER
WIE wird aus einer großen Bühne ein eigenes kleines Theater?
Das Kamishibai wird bei uns zur Kulisse für kleine Theaterstücke. Mit einem gefalteten Minikamishibai können die Kinder daraus ihre eigene Bühne gestalten. Sie malen Kulissen, basteln passende Figuren und entwickeln daraus ihre eigenen kleinen Theaterwelten.
Besonders praktisch: Die Kulissen lassen sich austauschen und können dadurch für viele verschiedene Geschichten und Spielideen verwendet werden. Nach dem Gestalten kann das Minikamishibai mit nach Hause genommen werden.
Was entsteht, wenn Kinder ihre eigene Bühne gestalten?
Aus einer vorbereiteten Theaterkulisse wird ein Raum für eigene Ideen. Die Kinder entscheiden selbst, wie ihre Bühne aussehen soll, welche Figuren darin auftreten und welche Geschichte dort entstehen kann. Dabei gestalten sie nicht nur das Spiel, sondern auch die Bedingungen dafür. Eine Kulisse muss nicht für eine bestimmte Geschichte gedacht sein. Sie kann verändert, ausgetauscht und immer wieder neu bespielt werden.
Für mich liegt genau darin der Reiz: Kinder bekommen nicht einfach eine fertige Bühne für ihr Spiel. Sie können sich ihre eigene Bühne schaffen – und damit immer wieder neue Spielmöglichkeiten eröffnen.
BILDERPUZZLE
WIE wird aus vielen Bildern ein gemeinsames Spiel?
Für dieses Bilderpuzzle werden jeweils zwei Bildteile zu einem Bildpaar zusammengesetzt. Jedes Kind gestaltet eigene Bilder, die später mit einem passenden Gegenstück zusammengehören. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Paare zu finden und anschließend zu einem vollständigen Bild zusammenzusetzen. Dass alle Bilder mit der Tintenlöschtechnik gestaltet sind und dadurch in ähnlichen Farbschattierungen erscheinen, macht die Suche besonders knifflig. Die Kinder können sich also nicht einfach an unterschiedlichen Farben orientieren, sondern müssen genauer hinsehen, Formen vergleichen und Zusammenhänge erkennen.
Was passiert, wenn eine Spielidee allen gehört?
Ausgangspunkt war ein von mir gestaltetes Spiel. Doch statt daraus einfach weitere Varianten zu machen, entstand eine andere Frage: Warum gestalte eigentlich ich die Spiele? Warum nicht gemeinsam? Die Kinder wussten von Anfang an, dass ihre Bilder Teil eines Spiels für die ganze Gruppe werden und im Kindergarten bleiben würden. Trotzdem war ihre Motivation groß. Vielleicht gerade deshalb, weil ihre einzelnen Bilder hier nicht für sich stehen. Sie werden zu einem Teil von etwas Gemeinsamen.
Für mich zeigt sich darin eine interessante Form von Partizipation: Kinder können etwas schaffen, das anschließend allen gehört, von allen genutzt und immer wieder verändert oder erweitert werden kann.
WÜRFELFANGEN
WIE wird aus Würfeln, Farben und Punkten ein Spiel?
Für das Würfelspiel stehen den Kindern Würfel, farbige Materialien und ein gepunktetes Blatt zur Verfügung. Eine Spielregel gibt es zunächst nicht. Die Kinder können selbst ausprobieren, was mit den Materialien möglich ist, und daraus eigene Spielideen entwickeln.
Dabei entstehen ganz unterschiedliche Varianten: Linien werden gezogen, Farben miteinander verbunden, Regeln erfunden und verändert. Manche Ideen sind schnell wieder vorbei, andere werden weitergespielt und gemeinsam verändert. Meine eigene Würfelspielidee kommt erst später dazu und kann als eine weitere Möglichkeit ausprobiert werden.
Was passiert, wenn die Spielregel erst einmal fehlt?
Diesmal wollte ich nicht vorgeben, wie mit den Materialien gespielt werden soll. Mich interessierte, was die Kinder daraus selbst entwickeln. Dabei wurde sichtbar, wie unterschiedlich sie an dieselben Materialien herangehen. Ein Kind beginnt zu zeichnen, ein anderes entwickelt eine Regel, mehrere Kinder treffen Absprachen miteinander. Aus dem gleichen Ausgangsmaterial entstehen ganz verschiedene Wege.
Für mich liegt darin der besondere Wert eines offenen Spielimpulses: Nicht alle Kinder müssen dieselbe Idee finden. Gerade die unterschiedlichen Ideen machen sichtbar, wie vielfältig Kinder denken, ausprobieren und miteinander Lösungen entwickeln.