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BLOSS FÜNF TECHNIKEN IM ATELIER?

WIE GEHT DAS?

Meine 5 WIEs?
Weniger kann mehr sein, wenn dafür ausreichend Zeit bleibt. 

Ich erlebe immer wieder, dass Pädagog:innen den Eindruck haben, sie müssten den Kindern möglichst regelmäßig etwas Neues anbieten. Eine neue Technik, ein neues Material, eine neue Idee. Häufig steht dahinter der Wunsch, am Ende vielleicht ein schönes Werkstück, eine Dekoration oder ein Geschenk entstehen zu lassen. Ich sehe das etwas anders. Natürlich können neue Techniken spannende Impulse geben. Aber Kreativität entsteht nicht automatisch dadurch, dass ständig etwas Neues auf dem Tisch liegt. Manchmal passiert sogar das Gegenteil: Kaum haben Kinder begonnen, eine Technik kennenzulernen, wird sie bereits wieder durch eine neue Möglichkeit ersetzt. Für mich ist es deshalb genauso wertvoll, wenn eine Technik bleiben darf. Wenn Kinder sie wiederholen können. Wenn sie mit der Zeit sicherer werden. Wenn sie beginnen, eigene Varianten zu entwickeln.

Selbstständigkeit braucht Vertrautheit. 

Dass unsere Basistechniken immer wieder zur Verfügung stehen, hat deshalb noch einen weiteren Grund: Sie ermöglichen Selbstständigkeit. Die Kinder kennen die Materialien und wissen, wie die einzelnen Abläufe funktionieren. Sie müssen nicht bei jedem Ateliertag auf eine neue Erklärung warten oder darauf, dass eine Pädagogin jeden einzelnen Schritt begleitet. Das schafft Freiraum. Für die Kinder – und auch für mich. Denn wenn eine Technik vertraut ist, kann ich mich stärker zurücknehmen und beobachten. Ich kann sehen, welche Ideen die Kinder entwickeln, wie sie eine bekannte Technik verändern und an welcher Stelle vielleicht ein neuer Impuls hilfreich sein könnte. So wird aus einer eingeführten Technik kein fertiges Rezept, sondern ein Werkzeug, mit dem Kinder zunehmend eigene Wege gehen können.

... mit Kleister und Farbe

Bei dieser Technik wird zunächst mit einem dicken Pinsel Kleister auf das Papier aufgetragen. Anschließend können Farbtropfen darauf verteilt werden. Mit Spachteln, Gummipinseln oder anderen geeigneten Werkzeugen lassen sich anschließend Spuren in die Farbfläche ziehen.

... mit Farbe und Paletten

Auch hier dürfen sich die Kinder selbst bedienen. Die Farben stehen in kleinen, handlichen Fläschchen bereit. Unsere Regel lautet dabei: kirschengroße Portionen. Die Farbe wird zunächst auf eine Palette gegeben und kann dort miteinander vermischt werden, bevor sie auf das Papier kommt.

... mit Kreide und Beize

Bei dieser Technik werden zunächst mit Ölkreiden Zeichnungen auf das Papier gesetzt. Anschließend wird das Bild mit Beize oder Tinte übermalt. Die Ölkreide weist die flüssige Farbe ab, wodurch die gezeichneten Linien sichtbar bleiben und gleichzeitig die Farben besonders leuchtend zur Geltung kommen.

... mit Fingerfarbe auf Tapeten

Bei dieser Technik wird mit Fingerfarbe auf unterschiedlichen Tapeten gearbeitet. Die Kinder bedienen sich auch hier selbst und drücken die Farbe zunächst auf ihre eigene Palette. Die unterschiedlichen Oberflächen der Tapeten bringen dabei eine weitere taktile Erfahrungsebene ins Spiel.

... mit Platten und Farbe

Eine weitere Basistechnik in unserem Atelierwagen ist das Drucken mit Acrylplatten und Farbe. Die Kinder können ausprobieren, wie sich unterschiedliche Spuren und Formen von Wattestäbchen übertragen lassen und wie sich durch Veränderungen der Druckfläche auch das Ergebnis verändert.

HILFREICHE FRAGEN

Wenn wir darüber nachdenken, welche kreativen Techniken im Atelier angeboten werden, können uns einige Fragen helfen:
  • Braucht es tatsächlich eine neue Technik – oder könnte eine vertraute Technik noch weitere Möglichkeiten eröffnen?
  • Wie viel Zeit bekommen Kinder, um eine Technik wirklich kennenzulernen und weiterzuentwickeln?
  • Welche Techniken können so eingeführt werden, dass Kinder sie später zunehmend selbstständig nutzen können?
  • Was beobachte ich gerade bei den Kindern, das zu einer neuen Gestaltungstechnik werden könnte?
  • Wie kann ich einen vertrauten Atelier-Rahmen schaffen, in dem ab und an neue Ideen ihren Platz finden?
„Kreativität wächst, wenn Vertrautes Zeit bekommt, sich weiterzuentwickeln und immer wieder neue eigene Wege zu eröffnen.“

EINE HÄUFIG GESTELLTE

FRAGE:

"Wird bei Selbstbedienung nicht viel Farbe verschwendet?" 

Natürlich braucht es ein wenig Übung, bis Kinder die richtige Menge Farbe selbstständig dosieren können. Gerade bei jüngeren Kindern ist es zunächst eine feinmotorische Herausforderung, aus einem kleinen Fläschchen wirklich nur eine kirschengroße Portion auf die Palette zu geben. Das begleite ich selbstverständlich und übe es gemeinsam mit den Kindern. Mit der Zeit entwickeln sie ein Gefühl dafür, wie viel Farbe sie benötigen und wie sie die Fläschchen entsprechend handhaben können. Und wenn dennoch Farbe übrig bleibt? Dann wird sie nicht einfach entsorgt. Übrig gebliebene Farbe kann beispielsweise in Restbildern verarbeitet werden. Auch daraus können interessante Gestaltungen entstehen. Achtsamer Umgang mit Farbe und selbständiges Arbeiten muss kein Widerspruch sein. Darum stelle ich mir auch hier zunächst die Frage: Wie gelingt achtsamer Umgang mit Material und echte Handlungsmöglichkeiten für die Kinder?

BESONDERE FARBSCHÄTZE IN DER PUMPFLASCHE

Für besondere Farben verwende ich gerne Pumpflaschen. Bei uns kommen sie beispielsweise für Gold und Silber oder Farben mit Glitzerpartikeln zum Einsatz. Gerade bei solchen besonderen Materialien finde ich die Pumpflasche praktisch, weil sich die Farbe damit gut dosieren lässt und die Kinder trotzdem selbstständig damit umgehen können. Außerdem bekommen diese besonderen Farben dadurch ihren eigenen kleinen Auftritt. Sie stehen nicht ständig zur Verfügung, sondern werden gezielt eingesetzt, wenn eine Gestaltungsidee danach verlangt. So bleibt auch bei den Materialien ein kleiner Spielraum für Besonderes.