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PORTFOLIODOKUMENTATION MIT KINDERN,

WIE GEHT DAS?

Meine 5 WIEs?
Portfolio kann vieles sein ... 

Eine Sammlung von Erinnerungen, eine Dokumentation von Bildungsprozessen oder eine persönliche Mappe. Für mich ist es vor allem ein Gestaltungs- und Gesprächsraum. Ein Ort, an dem nicht nur sichtbar wird, was ein Kind gemacht hat, sondern auch, wie eine Idee entstanden ist, was es ausprobiert hat und was ihm selbst daran bedeutsam erscheint. Wenn ein Kind später durch seine Mappe blättert, geht es deshalb für mich um weit mehr als um das Wiedererkennen eines Fotos. Ich höre zu, frage nach und entdecke dabei manchmal selbst noch einmal eine ganz andere Seite eines Prozesses. Portfolioarbeit wird dadurch zu einer Begegnung. Und sie beginnt für mich bereits bei einer grundlegenden Frage: Wem gehört eigentlich die Geschichte, die hier erzählt wird? Meine Antwort darauf ist klar: dem Kind.

Ist Ästhetik wichtig?

Portfolioarbeit muss für mich weder besonders häufig noch besonders aufwändig sein. Freilich darf eine Mappe ästhetisch sein. Aber die Qualität der Portfolioarbeit hängt für mich weder von der Anzahl der Seiten noch vom dekorativen Aufwand ab. Eine reich gestaltete Seite kann wertvoll sein. Eine schlichte Seite ebenso. Portfolioarbeit soll keinen zusätzlichen Druck erzeugen – weder für die Kinder noch für die Pädagog:innen. Viel wichtiger ist für mich die Haltung dahinter. Wird dem Kind zugetraut, selbst zu entscheiden, was bedeutsam ist?Hat es Zugang zu seinen eigenen Dokumentationen? Darf es seine Geschichte mit eigenen Worten erzählen? Darf es selbst entscheiden, wie diese Geschichte gestaltet wird? Gibt es Raum, gemeinsam darin zu blättern und sich zu erinnern?

Ob angeregt oder selbstbestimmt: Das Kind entscheidet, was bedeutsam ist.

Manchmal kommt ein Kind von sich aus zu mir und möchte einen Prozess oder ein Werk fotografieren lassen. Manchmal beobachte ich einen Moment, der mir besonders interessant erscheint: eine ungewöhnliche Idee, einen eigenen Lösungsweg oder eine Entwicklung, die ich gerne festhalten würde. Auch dann treffe ich die Entscheidung nicht einfach für das Kind. Ich kann einen Moment wahrnehmen. Ich kann eine Dokumentation anbieten. Aber das Kind entscheidet, ob dieser Moment für seine Mappe bedeutsam ist. Damit verändert sich meine Rolle. Ich sammle nicht einfach stellvertretend für das Kind, was ich für wichtig halte. Ich mache etwas sichtbar und gebe die Entscheidung anschließend zurück. Das bedeutet auch, dass Portfolioarbeit nicht möglichst vollständig sein muss. Wenn ein Kind eine Idee dokumentieren lassen möchte, entstehen bei uns in der Regel ein Foto oder – wenn der Prozess selbst interessant ist – mehrere Bilder. Diese Fotos werden anschließend für genau dieses Kind ausgedruckt und in einer eigenen Ablage bereitgelegt. So entsteht kein großer Stapel an Fotos, aus dem später ausgewählt werden muss. Die Entscheidung fällt bereits am Anfang des Prozesses.

Was Kinder selbst wiederfinden, können sie auch selbst weitergestalten.

Selbstständigkeit beginnt für mich nicht erst beim Einkleben eines Fotos. Sie beginnt schon bei der Frage, ob ein Kind überhaupt Zugang zu seinen eigenen Dokumentationen hat. Deshalb liegen die Fotos und Zeichnungskopien bei uns so bereit, dass die Kinder sie selbst wiederfinden können. Dafür habe ich eine einfache Box mit gefalteten Karteiblättern gestaltet. Wenn neue Fotos dazukommen, helfen die Kinder gerne beim Sortieren und Einordnen. Für mich ist dieses Ordnungssystem deshalb weit mehr als eine praktische Aufbewahrungslösung. Es schafft Zugänglichkeit. Ein Kind kann selbst nachsehen, ob etwas Neues dazugekommen ist. Es kann ein Foto herausnehmen, sich daran erinnern und entscheiden, wann es daraus eine Portfolioseite gestalten möchte. Denn was Kinder selbst wiederfinden, können sie auch selbst weitergestalten. Auch bei den Materialien für die Gestaltung achte ich deshalb darauf, dass sie erreichbar und übersichtlich aufbewahrt werden. Papier, Stempel, Sticker, Klebebänder, besondere Stifte und Kreiden stehen in gut zugänglichen Boxen zur Verfügung. Das Kind muss nicht erst fragen: „Darf ich mir das nehmen?“ Es kann beginnen.

Ein Foto hält einen Moment fest. Das Gespräch macht den Prozess sichtbar.

Ein Foto kann zeigen, was entstanden ist. Es kann mir aber nicht erzählen, warum. Deshalb ist ein Foto für mich noch keine vollständige Dokumentation. Es hält einen Moment fest – das Gespräch gibt diesem Moment eine Geschichte. Kinder erzählen zunächst oft einfach, was auf einem Foto zu sehen ist. „Das ist ein Haus.“ Für mich kann genau hier das Gespräch beginnen. „Wie bist du auf die Idee gekommen?“ „Was hast du ausprobiert?“ „Was war schwierig?“ „Wie hast du herausgefunden, wie es funktioniert?“  Dabei möchte ich dem Kind seine Geschichte keinesfalls aus der Hand nehmen. Ich erzähle nicht für das Kind. Ich möchte ihm helfen, die eigenen Gedanken und Erfahrungen in Worte zu fassen. Manchmal beobachte ich während eines Prozesses spannende Lösungswege, interessante Entscheidungen oder bedeutsame Entwicklungsschritte. Davon erzähle ich dem Kind. Und wenn das Kind zustimmt, kann auch meine Perspektive Teil der Dokumentation werden. Denn auch meine Beobachtung ist nur eine Perspektive. So dürfen verschiedene Sichtweisen nebeneinander Platz bekommen: die Erinnerung des Kindes, seine eigenen Worte und – wenn gewünscht – meine Beobachtung.

Jede eigene Geschichte darf auch vom Kind selbst gestaltet werden.

Wenn eine Dokumentation entstanden ist, beginnt für mich ein weiterer Teil des Prozesses: die Gestaltung. Foto und Zeichnungskopie werden bei uns nicht einfach fertig in eine vorbereitete Seite geklebt. Sie werden zu Material, mit dem das Kind weiterarbeiten kann. Welches Papier möchte ich verwenden? Wo soll mein Foto seinen Platz bekommen? Möchte ich etwas dazuschreiben? Soll die Seite bunt und reich verziert werden oder lieber ganz schlicht bleiben? Möchte ich Stempel verwenden, Sticker, Klebebänder, Kreiden oder besondere Stifte? Für diese Entscheidungen stehen den Kindern verschiedene Materialien zur Verfügung, die sie selbst auswählen können. Dabei gibt es für mich kein richtiges oder falsches Portfolio-Layout. Natürlich ist mir Ästhetik wichtig. Meine eigenen Portfoliobeispiele sind deshalb wahrscheinlich aufwändiger gestaltet, als es für eine gute Portfolioarbeit notwendig wäre. Das darf auch so sein – wenn es meiner persönlichen Freude am Gestalten entspricht. Für die Kinder gilt etwas anderes. Vielleicht möchte ein Kind gerade überhaupt nichts gestalten und einfach nur das Foto einkleben. Auch das ist eine gültige Form der Dokumentation.

Aus dem gemeinsamen Blättern wird gemeinsames Erzählen und Erinnern.

Vielleicht zeigt sich der besondere Wert eines Portfolios erst dann, wenn darin geblättert wird. „Weißt du noch?“ Und plötzlich ist eine vergangene Situation wieder da. Ein Foto wird betrachtet, eine Geschichte erzählt, eine Erinnerung ergänzt. Vielleicht fällt dem Kind etwas ein, das auf der ursprünglichen Portfolioseite noch gar nicht stand. Dann kann die Geschichte weitergeschrieben werden. Das gemeinsame Betrachten muss deshalb für mich auch nicht immer mit einer fertigen Portfolioseite enden. Ein Gedanke, der erst später auftaucht, kann ebenso wertvoll sein. Vielleicht möchte das Kind noch etwas ergänzen. Vielleicht erzählt es eine neue Erinnerung. Vielleicht betrachtet es das Foto heute ganz anders als damals. So wird Portfolioarbeit zu etwas Beweglichem. Die Dokumentation hält einen Moment fest – aber die Bedeutung dieses Moments darf sich weiterentwickeln. Und genau darin liegt für mich auch eine besondere Qualität des gemeinsamen Betrachtens: Wir begegnen uns im Gespräch. Ich erfahre etwas über die Gedanken des Kindes. Das Kind erlebt, dass seine Erinnerungen, Ideen und Geschichten für mich Bedeutung haben. 

HILFREICHE FRAGEN

Diese Fragen helfen mir, Portfolioarbeit immer wieder aus der Perspektive des Kindes zu betrachten. Sie lenken den Blick weg von der Frage, wie vollständig oder schön eine Mappe sein soll, und hin zu der Frage, welche Bedeutung sie für das einzelne Kind haben kann.
  • Wie kann ich Kindern ermöglichen, selbst zu entscheiden, was für sie bedeutsam ist?
  • Wie kann ich Dokumentationen so zugänglich machen, dass Kinder ihre eigenen Ideen selbst wiederfinden?
  • Wie kann ich Gespräche führen, die Denk- und Entwicklungswege sichtbar machen, ohne die Geschichte des Kindes für es zu erzählen?
  • Wie viel Gestaltung möchte ich vorgeben – und wie viel davon darf das Kind selbst entscheiden?
  • Wie kann ich Raum für Portfolioarbeit schaffen, ohne dass daraus Zeitdruck für Kinder oder mich selbst dabei entsteht?
  • Wie kann gemeinsames Betrachten zu einem Gespräch über Erinnerungen, Ideen und eigene Wege werden?
"Wenn Raum für eigene Ideen, Entscheidungen und Wege entsteht, kann Portfolio Kreativität sichtbar machen."

EINE HÄUFIG GESTELLTE

FRAGE:

"Was geschieht mit Fotos, die Kinder nicht einkleben möchten?" 
Diese Frage stellt sich bei uns nur selten, weil die Entscheidung bereits vor dem Fotografieren getroffen wird. Das Kind entscheidet selbst, was fotografiert wird. Die Fotos werden anschließend gezielt für dieses Kind ausgedruckt und in seiner persönlichen Box bereitgelegt. Wenn das Kind gerade keine Lust hat, sich damit zu beschäftigen, ist das vollkommen in Ordnung. Vielleicht sind gerade andere Dinge wichtiger. Dann können wir später gemeinsam vereinbaren, wann es dafür passend ist. Und wenn ein Kind später entscheidet, das Foto einfach einzukleben, ohne es aufwändig zu gestalten oder viele Worte dafür zu finden, darf auch das sein. Vielleicht kommt die Geschichte erst später. Beim nächsten gemeinsamen Betrachten.

UNSERE FOTOBOX

Für die Ablage der Fotos habe ich eine einfache Box mit gefalteten Karteiblättern selbst gestaltet. Jedes Kind hat darauf sein eigenes Zeichen, sodass die Fotos schnell und eindeutig zugeordnet werden können. Die Box steht für die Kinder erreichbar beim Portfolio-Material. Neue Fotos können gemeinsam einsortiert werden und warten anschließend darauf, von ihrem Besitzer oder ihrer Besitzerin entdeckt zu werden. Mir gefällt diese Lösung besonders, weil sie gleichzeitig Ordnung und Selbstständigkeit ermöglicht.